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    25. August 2008

    Forschung für die Feuerwehr

    Forschungsprojekt landmarke hilft Rettern bei Navigation in unbekannten Umgebungen

    Der Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Neue Medien (Prof. Dr. Volker Wulf) freut sich über die Bewilligung eines großen neuen Forschungsvorhabens. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen des Programms ‚Sicherheitsforschung’ das Vorhaben landmarke über einen Zeitraum von drei Jahren. Ziel ist es dabei, ubiquitäre Informationstechnologien zu entwickeln, die Feuerwehrleute unterstützen besser in unbekannten Umgebungen zu navigieren.

    Feuerwehrleute müssen in kurzer Zeit eine verlässliche Abschätzung der Einsatzlage abgeben können und so unter schlechten Sichtbedingungen in unsicheren Umgebungen zuverlässig den Einsatzort erkunden. Die Navigation unter solchen Bedingungen ist heutzutage trotz bewährter Hilfsmittel schwierig. Dies führt in der Praxis dazu, dass die Einsatzkräfte immer wieder unmittelbaren Gefahren ausgesetzt sind.

    Bisherige Forschungsvorhaben fokussieren vor allem auf technische Fragen der präzisen Positionsbestimmung und beziehen die menschlichen Navigationspraktiken nicht als entscheidende Ressource ein. Hier setzen die landmarke Forschungsarbeiten an: existente Navigationspraktiken und Handlungskompetenzen von Feuerwehrleuten bilden den Ausgangspunkt der Technologieentwicklung, damit sie den Anforderungen nach Sicherheit in unsicheren Umgebungen gerecht wird. Ziel des Forschungsvorhabens ist es daher, eine auf ubiquitären Technologien basierende Orientierungs- und Navigationsinfrastruktur zu entwickeln, die effektiv die kognitiven Fähigkeiten der Einsatzkräfte nutzt.

    Tobias Dyrks, Projektkoordinator des Vorhabens, beschreibt wie Feuerwehrleute unterstützt werden sollen ein ad-hoc Referenzsystem aufzubauen, das dynamisch wächst. Dazu kennzeichnen die Einsatzkräfte wichtige Referenzpunkte im Einsatz mit interaktiven Landmarken. Die Landmarken sind kleine, verteilbare Einheiten die Sensor- und Übertragungstechnik beinhalten. Sie können Informationen der Umgebung aufnehmen, speichern und übertragen. Die interaktive Kleidung des Feuerwehrmanns macht ihn auf die Landmarken aufmerksam und lässt ihn mit den Landmarken interagieren. Sensoren in Kleidung und Landmarken tauschen Informationen aus und reichern so die Wahrnehmung der Umgebung an. Per Funk oder in Lagebesprechungen kann der Feuerwehrmann auf dieses Referenzsystem verweisen. Solch ein Austausch schafft bei den Einsatzkräften ein gemeinsames Verständnis der Lage vor Ort.

    Im Projekt landmarke arbeiten Partner aus Forschung und Industrie mit der Berufsfeuerwehr Köln und dem Institut der Feuerwehr NRW, Münster, eng zusammen. Von den Anwendungspartnern wird die entwickelte Technologie praxisnah eingesetzt, neue Praktiken können im Umgang mit der Technik erwachsen. Die Nutzung der Technik wird zum wichtigen Faktor des Entwicklungsprozesses; Arbeitspraxis und Technikentwicklung beeinflussen sich ko-evolutionär.

    Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die Universität Siegen stark nutzerorientiert mit den Anwendungspartnern der Feuerwehr. Das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik FIT in Bonn entwickelt innovative, in die Schutzkleidung integrierte Mensch-Computer Schnittstellen, die Feuerwehrleute auch in Stresssituationen sicher bedienen können. Die Industriepartner Dräger Safety aus Lübeck, der Sensorspezialist Winckel aus Bad Berleburg und die Interactive Wear AG aus Starnberg gewährleisten marktfähige Systemlösungen.

    Das Forschungsprojekt hat ein Gesamtvolumen von 2,6 Mio. Euro, das BMBF fördert das Vorhaben mit insgesamt etwa 2,0 Mio. Euro. Die Universität Siegen, als Konsortialführer, freut sich über Einnahmen von mehr als 1 Mio. Euro und darf dafür auch ein Sicherheitsforschungslabor einrichten.

    Die enge Kopplung innovativer Technikentwicklung mit sozialwissenschaftlich empirischen Forschungsmethoden hat wesentlich zu diesem Akquisitionserfolg beigetragen. „Durch die lange Tradition transdisziplinärer Medienforschung sind wir an dieser Stelle in Siegen der nationalen Konkurrenz ein wenig voraus“ bemerkte Wulf lächelnd. Er wies auch darauf hin, dass noch mehrere weitere größere Vorhaben kurz vor der endgültigen Bewilligung durch die EU, das BMBF und die EU stünden.

    Das Vorhaben landmarke basiert auf Vorarbeiten, die der Lehrstuhl mit seinen Kooperationspartnern dem Geschäftsfeld Benutzer-orientiertes Software-Engineerings des Fraunhofer Instituts für Angewandte Informationstechnik (FhG-FIT_USE) und dem Institut für Medienforschung (IfM) der Universität Siegen durchgeführt hat.

    Weitere Informationen zum Projekt sind im Web unter http://www.landmarke-projekt.de/ verfügbar.