..
  • Sprachen

  • Neueste Beiträge

  • Intern

  • Archiv

  • Meta

  • / cscw / home /
     

    3. April 2017

    Die IT-Branche weiblicher machen

    Wie kann die Rolle von Frauen in IT-Unternehmen gestärkt werden? Das erforschen WissenschaftlerInnen der Uni Siegen gemeinsam mit KollegInnen der Hochschule Heilbronn und des Kompetenzzentrums „Technik-Diversity-Chancengleichheit“.

    Männer entwickeln die Software, Frauen sitzen im Call-Center und nehmen Kundenanrufe entgegen. In der IT-Branche sind die Geschlechterrollen in vielen Unternehmen nach wie vor ungleich verteilt. Programmiererinnen, Software-Entwicklerinnen und Ingenieurinnen sind in der Minderheit, die entsprechenden Abteilungen nicht selten Männerdomänen. Welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen können, um das zu ändern, erforschen WissenschaftlerInnen der Uni Siegen in dem Verbund-Projekt GeWInN („Gender. Wissen. Informatik. Netzwerk zum Forschungstransfer des interdisziplinären Wissens zu Gender und Informatik“). Sie kooperieren dazu mit KollegInnen der Hochschule Heilbronn und des Kompetenzzentrums „Technik-Diversity-Chancengleichheit“ in Bielefeld.

    Karriereoptionen von Frauen in der IT verbessern

    „Voller guter Absicht können Frauen in der IT manchmal Rollen erhalten, die ihre Möglichkeiten einschränken“, sagt Projekt-Koordinatorin Prof. Dr. Nicola Marsden von der Hochschule Heilbronn. Dabei sei Geschlechtergerechtigkeit für die Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Das sieht auch Anne Weibert vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Uni Siegen so. Ob der Gender-Aspekt bei der Produktentwicklung mitgedacht wird, beeinflusst nicht zuletzt auch das Ergebnis, betont Weibert: „Eine Technologie, die im Wesentlichen von Männern entwickelt wurde, spricht Frauen möglicherweise weniger an. Auch deshalb macht es Sinn, die Karriereoptionen von Frauen in der IT zu verbessern.“

    Ziel des GeWInN-Projektes ist es, den Austausch zwischen Unternehmen einerseits und der Genderforschung an Hochschulen andererseits zu fördern. Wie können Unternehmen anwendungsbezogenes Geschlechterwissen in ihre Organisations- und Prozessabläufe integrieren – und so ein attraktiveres Arbeitsumfeld für weibliche Nachwuchskräfte schaffen? Das soll unter anderem mit so genannten „Real-Laboren“ erforscht werden, einem innovativen Ansatz, der an der Uni Siegen schon mehrfach erprobt wurde: Unternehmen fungieren dabei als „lebendige Labore“. Die WissenschaftlerInnen entwickeln gemeinsam mit den MitarbeiterInnen Lösungen für unterschiedliche Probleme.

    „Real-Labore“ für unterschiedliche Fragestellungen

    Aktuell suchen die Siegener ForscherInnen Unternehmen, die sich im Rahmen von GeWInN an den Real-Laboren beteiligen möchten. Sechs Betriebe sollen es insgesamt sein, sagt Team-Leiter Michael Ahmadi: „In jedem Betrieb werden wir einer anderen Fragestellung nachgehen. Themen, die uns interessieren sind zum Beispiel der Umgang mit Geschlechterungerechtigkeit, die Rollenverteilung in Meetings und bei der Projektarbeit oder das Thema ‚gendersensibles IT-Design‘.“ Dazu soll zunächst der jeweilige Ist-Zustand in den Unternehmen erfasst werden – etwa durch die Analyse von Strukturen und Arbeitsabläufen sowie Mitarbeiter-Interviews. Gemeinsam sollen anschließend Verbesserungsmöglichkeiten entwickelt und erprobt werden. „Für die Unternehmen sind die Real-Labore eine Chance, das Gender-Thema mit wissenschaftlicher Unterstützung anzugehen“, sagt Ahmadi. „Gleichzeitig lernen wir von den Unternehmen und können praktische Erkenntnisse in unsere Forschungsarbeit aufnehmen.“

    Mehrere öffentliche Fachtage sollen Einblicke in die Forschungsergebnisse aus den Real-Laboren geben. Zum fachlichen Austausch sind im Rahmen des Projektes außerdem eine wissenschaftliche Konferenz und eine begleitende Online-Plattform geplant. Ein Steuerungskreis aus renommierten Gender-ForscherInnen und Unternehmens-Praktikern wird die auf drei Jahre angelegte Projektarbeit begleiten. Die Ergebnisse sollen anschließend in Handlungsempfehlungen für den Einsatz in Unternehmen und wissenschaftlichen Publikationen dokumentiert werden. GeWInN wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

    Unternehmen, die sich im Rahmen des GeWInN-Projektes an den Real-Laboren der Siegener ForscherInnen beteiligen möchten, können sich per Mail unter GenderWissen@listserv.uni-siegen.de melden.

    Kontakt:
    Michael Ahmadi (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien), E-Mail: michael.ahmadi@uni-siegen.de, Tel: 0271-740 3383.

    Gewinn_web

    Forschen an der Uni Siegen zum Thema „Geschlechtergerechtigkeit in der IT“: Konstantin Aal, Anne Weibert, Team-Leiter Michael Ahmadi und Sarah Lieven vom Lehrstuhl für Wirtschaftinformatik und Neue Medien.